Katholische Kirche Aesch Birmensdorf Uitikon
Damit sie das Leben haben und es in Fülle haben

Rückkehr der Christen


Geschichte

In der Südost-Türkei befindet sich die Landschaft des Tur Abdin, des «Berg der Knechte Gottes», in der seit fast 2000 Jahren die Christen der «Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien» leben. Der hl. Petrus gründete im Jahr 37, also nur vier Jahre nach Christi Tod, eine christliche Gemeinde in der Küstenstadt Antiochia. Im Hinterland der heutigen Südosttürkei lebten damals die Aramäer, deren Sprache die wichtigste Handelssprache im Nahen Osten war und bis heute die Muttersprache der Syrisch-Orthodoxen Christen geblieben ist. 

Im 5. Jahrhundert breitete sich die Syrisch-Orthodoxe Kirche besonders stark im Tur Abdin aus, viele Klöster entstanden und zahlreiche Dörfer wurden gegründet. Zurückblickend wird das 5. Jahrhundert als das goldene Zeitalter des Tur Abdin bezeichnet. Trotz der kargen und unwirtlichen Natur des 800 m über dem Meer liegenden Hochplateaus ermöglichte der fruchtbare Boden jedes Jahr eine gute Ernte, und in den warmen Sommermonaten sorgte der von den Bergen kommende Wind für ein gutes, nicht zu heisses Klima. Kein Wunder also, dass sich die Christen hier bis zum 1. Weltkrieg sehr wohl fühlten.

Im 20. Jahrhundert geriet das Tur Abdin unter starken, politischen Druck. Vom Westen her wurden die Christen von den muslimischen Türken bedrängt, von Osten her von den Kurden und vom Süden her durch Syrien und den Irak. Die heutigen Grenzen wurden nach dem 1. Weltkrieg im Jahr 1923 neu gezogen, wodurch das Tur Abdin zu türkischem Staatsgebiet wurde. Die aramäisch sprechenden Christen erhielten türkische Pässe, ihre Sprache durfte in den muslimischen Schulen nicht mehr gelehrt werden, die Religionsausübung wurde verboten, ihre Kirchen zerstört und nur in den wenigen Klöstern durfte die Religion ausgeübt, nicht aber gelehrt werden.

In den 70er und 80er Jahren unterstützte die türkische Regierung die Kurden in diesem Gebiet mit Waffen für den Kampf gegen die PKK-Rebellen. Die Kurden setzten sich in den Dörfern fest, die Christen kamen immer mehr unter Druck und wanderten aus. Die meisten Einwohner aus dem Dorf Kafro flüchteten nach Deutschland und in die Schweiz.


Die Rückkehr der Christen

Seit dem Jahr 2000 versucht die türkische Regierung, Mitglied der Europäischen Union zu werden. Zu den von Brüssel gestellten Bedingungen gehört auch die Anerkennung der religiösen Minderheiten, weshalb der damalige Ministerpräsident Ecevit im Juni 2001 per Gesetz die Rückkehr der Christen in die Osttürkei erlaubte. Die damit verbundene Freiheit der Glaubensausübung kam zuerst den Klöstern zugute, den beiden grossen Klöstern Deyrulzafaran in Mardin und dem Kloster Mor Gabriel. Dessen Erzbischof Samuel Aktas setzte sich mit den Auswanderern in Verbindung und meldete sofort den Anspruch auf die Wiederbesiedlung der Dörfer durch die Christen an. In der Folge meldeten sich viele der ausgewanderten Familien mit dem Wunsch, in ihre Dörfer zurück zu kehren.

Die ehemaligen Bewohner Kafros trafen sich in Deutschland und gründeten im Januar 2002 den Entwicklungsverein Kafro. Dieser begann ein Pilotprojekt zur Rückkehr und in den Jahren bis 2006 entstand das neue Kafro neben dem ehemaligen, zerstörten Dorf. 

Im Frühjahr 2005 besuchte eine Delegation des Pfarreirates der Kath. Pfarrei Aesch-Birmensdorf-Uitikon aus der Schweiz das entstehende neue Dorf und engagierte sich mit einem fünfjährigen Pfarreiprojekt an den Infrastrukturkosten. Am 1. September 2006 wurde das Dorf vom Erzbischof Samuel Aktas feierlich eingeweiht, nachdem 15 Familien aus der Schweiz und Deutschland bereits in ihre Häuser eingezogen waren.

Gemeinsame Hilfsprojekte

 

Unter dem Motto „Wasser für Kafro“ konnte noch im Jahr 2005 mit unseren Spenden das Wasserreservoir gebaut werden, mit „Strom für Kafro“ finanzierten wir danach ein dringend benötigtes Notstromaggregat und im Jahr 2008 wurde von uns die technische Einrichtung für einen Internetraum gestiftet. 

Im September 2007 und im Sommer 2008 organisierte die Ev. Ref. Kirche von Baden-Württemberg eine Arbeitsgruppe von Deutschen und Syrern, welche die zerstörte Marienkapelle im alten Kafro renovieren wollten. Es wurde eine Totalsanierung und damit der erste Bau einer Syrisch-Orthodoxen Kirche im Tur Abdin seit mehr als hundert Jahren. 

Ende 2008 beschloss die Ev. Ref. Kirchgemeinde Uitikon, sich ebenfalls an der Hilfe für den Tur Abdin zu beteiligen. Das neue, jetzt ökumenische Hilfsprojekt gilt der Förderung der Jugend für eine Berufsausbildung, damit die heranwachsenden Kinder sich auch beruflich in die neue Heimat integrieren können.


Die Entwicklung im Tur Abdin 

In fast allen Dörfern des Tur Abdin sind Familien zurück gekehrt, die in manchen Fällen ihre zerfallenen Häuser renovieren konnten, in den meisten jedoch neue Häuser gebaut haben. Südlich von Kafro befinden sich in den Isala-Bergen sieben Dörfer, in denen ebenfalls Familien mit Kindern zurück gekehrt sind, welche die gleichen Bedürfnisse zur Eingewöhnung in die neue Heimat haben wie die in Kafro. Deshalb ist es sinnvoll, bei Planungen für Kafro auch den übergreifenden Nutzen für andere Dörfer zu beachten. 

Aus diesem Grund wurde das neue, ökumenische Hilfsprojekt zur beruflichen Förderung auf das ganze Tur Abdin ausgedehnt.